dokfilm
Dokumentation Mitteldeutschland unterm Hakenkreuz

2017 | MDR | 2 x 45 Min

Es waren keine professionellen Wochenschaukameramänner, die die Bilder vom Alltag in Mitteldeutschland während der NS-Zeit festhielten. Es waren Hobbyfilmer, die das normale Leben in diesem Land, jenseits der offiziellen NS-Propaganda, mit ihren kleinen Kameras abbildeten: auf 8mm-Film und vor allem – die eigentliche Sensation – in Farbe! Die Hobbyfilmer selbst sind meist nicht zu sehen. Und das, wofür sie bereit waren, einen kostbaren Streifen Film zu opfern, wirkt zufällig, harmlos. Ein Mädchen hält ihre Puppe stolz in die Kamera! Ein Bauer führt seine Pferde in die Saale zum wöchentlichen, sonntäglichen Bad. Eine Frau schält Obst und legt Gurken ein. Doch bei aller Privatheit ist die Politik allgegenwärtig in den Aufnahmen der Amateurfilmer: Beiläufig wird der rechte Arm zum Gruß gehoben. Von jedem öffentlichen Gebäude, von jedem Ausflugsdampfer grüßt die Nazi-Fahne – und an beinahe jedem Wochenende gibt es irgendwo einen Aufmarsch mit Marschmusik: zum Betriebssportfest, zum 1. Mai, zum Erntedankfest.