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Dokumentation HeimatLiebe – Warum ich blieb

2020 | Jana von Rautenberg | MDR | 90 Min

Im Herbst ’89 fällt die Mauer, am 3. Oktober 1990 folgt die Wiedervereinigung der beiden Deutschen Republiken. In den Wochen, Monaten, Jahren nach diesen Ereignissen verlassen zahlreiche Bürger der ehemaligen DDR ihr Land, ihre Heimat. Die meisten jedoch sind geblieben. Bisher wurde meist über die Menschen berichtet, die ihrer Heimat den Rücken kehrten. Wir kennen die Fluchtgeschichten, die Bilder aus Prag, Sopron und Hof. Doch die Geschichten derer die blieben, werden nicht so häufig erzählt.

In der MDR-Dokumentation Heimatliebe – Warum ich blieb geht der Schauspieler und Kabarettist Wolfgang Stumph erneut auf Spurensuche. Er fährt zu Menschen, die in den 90er Jahren in ihrer ostdeutschen Heimat blieben.

Zum Beispiel Marlies Golze aus Reddeber bei Wernigerode: 1989 steht sie kurz vor dem Abschluss ihrer Prüfung als Schneidermeisterin. Sie hat sich gerade mit einer kleinen Schneiderei selbständig gemacht, einige Frauen als Näherinnen eingestellt, Verträge mit Abnehmern geschlossen, zudem eine junge Familie. Ein Weggehen gar nicht möglich. Die Jahre nach der Wiedervereinigung ein ständiges Auf und Ab, ein Kampf! Aufgeben oder Durchhalten? Bei ihr siegt immer wieder ein „Jetzt erst recht!“

Der junge Vikar Stefan Schwarzenberg erlebt die Wende zunächst in Zittau und dann in seiner ersten Pfarrstelle im Dresdener Stadtteil Gorbitz. Er ist in diesen Monaten und Jahren seelsorgerisch gefragt. Einerseits sieht der Kirchenmann wie junge Menschen die Heimat verlassen, Familien auseinanderbrechen, Arbeitsplätze wegfallen und wie andererseits viele zurückbleiben, hilflos, ratlos, orientierungslos. Sein Wunsch nach Veränderungen, Anpacken, Unterstützen sowie seine Ermunterungen sind gefragt, er wird gebraucht.

Kurz vor der Wende bleibt die damals 20-jährige Gloria Frenzel mit ihrem Säugling alleine in Walbeck bei Hettstedt zurück. Ihre Mutter ist kurz zuvor verstorben, der Vater mit der Stiefmutter und dem Halbbruder in den Westen abgehauen. Halt und Geborgenheit gibt ihr in dieser Zeit und den Folgejahren, die geprägt sind von Schicksalsschlägen, wechselnden Mini-Jobs, vor allem das Elternhaus, das Haus in dem sie aufwuchs und bis heute mit ihrem jüngsten Sohn lebt. Hier ist sie nie weggegangen und hier wird sie für immer bleiben.

Wolfgang Stumph ergründet in neun sehr persönlichen Begegnungen, warum die Menschen ihrer mitteldeutschen Heimat treu blieben. Mal waren es die engen Bindungen an Zuhause, an die Familie, mal das Bestreben, vor Ort etwas aufzubauen, mal die Umstände, die Überzeugung, nicht einfach alles im Stich lassen zu können, zuhause gebraucht zu werden. Oft waren es schwierige Jahre, voller Herausforderungen. Dennoch hat letztendlich die Liebe zur Heimat, zum Zuhause, zu den engsten Angehörigen gesiegt.