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Dokumentation Im Land der Täter

2019 | Jan N. Lorenzen | MDR | rbb | BR | WDR | 2 x 45 Min

Teil 1: Leben in der Wohlfühldiktatur

Es sind verstörende Bilder, die sich in den Aufnahmen der Hobbyfilmer finden: Eine Braut lacht glücklich in die Kamera. Ihr Ehemann trägt statt eines Hochzeitsanzuges die schwarze Uniform der SS. Ein junger Mann kommt nach erfolgreich absolvierter Grundausbildung nach Hause. Stolz und zärtlich streicht seine Mutter über die neue Uniform mit der Hakenkreuzbinde! Eine Familie versammelt sich am Morgen zum Appell unter der Hakenkreuzfahne. Auch ein verkrüppelter, junger Mann steht dabei. Wird er dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer fallen?

Die Menschen in den Aufnahmen der Amateurfilmer, sie wirken fröhlich, sie lachen, als würden sie nicht ahnen, das ihnen eine selbstverschuldete Katastrophe bevorsteht: Noch hat der Krieg nicht begonnen, doch die Remilitarisierung schafft Arbeitsplätze. Der „Anschluss“ Österreichs, löst Euphorie aus. Mit Urlaubsreisen auch für Arbeiter und kleine Angestellte gewinnt das nationalsozialistische Regime die Sympathie der Massen. Deutschland in diesen Jahren ist eine Diktatur zum Wohlfühlen, jedenfalls dann, wenn man als arischer Deutscher von der Verfolgung der jüdischen Mitmenschen profitiert!

Teil 2: Zwischen Heimat und Front

Ein Wehrmachtsoffizier filmt privat, scheinbar ungerührt, die abgemagerten Gestalten in einem Gefangenenlager für sowjetische Soldaten bei Dresden und notiert in seinem Tagebuch: „Der Gestank war bestialisch.“
Im südlichen Polen wird ein anderer Wehrmachtsoffizier mit seiner Kamera Zeuge, wie jüdische Männer zum Arbeitseinsatz abkommandiert werden.
Eine Gruppe von Filmamateuren durchstreift 1943 Dachau. Geführt wird die Gruppe von einem SS-Offizier des nahegelegenen Konzentrationslagers. Passt er auf, dass die Filmamateure dem Lager nicht zu nahe kommen, nur Unverfängliches filmen?

Es sind Bilder von erstaunlicher Offenheit, Bilder, die in keiner nationalsozialistischen Wochenschau gezeigt worden wären – und sie finden sich in den Aufnahmen von Filmamateuren! Richtig in den Bann zieht einen das Material aber vor allem durch die Parallelität der Ereignisse, die in den Bildern zum Ausdruck kommt: Während deutsche Truppen an der sowjetischen Grenze auf den Befehl zum Angriff warten, unternimmt in Potsdam ein Ehepaar einen sorglosen Ausflug. Während sich in Berlin ein Familienvater in einem spaßigen Film über die Bombenangriffe lustig macht, liegen Köln und kurz darauf Hamburg bereits in Schutt und Asche. Deutschland ist in den Jahren des Krieges, das zeigen die privaten Aufnahmen, ein Land in dem der Krieg auch dort, wo nicht gekämpft wird, immer präsent ist.